Kann Zivilgesellschaft politisch neutral bleiben, wenn die Demokratie selbst auf dem Spiel steht? Mit dieser Frage beschäftigten wir uns gestern Abend bei unserer Veranstaltung „Wie politisch darf Zivilgesellschaft sein?“ in der Berliner Landeszentrale für politische Bildung.
Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe Berlin × London im Dialog: Urban Voices on Democracy kamen Vertreter*innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um über die Rolle zivilgesellschaftlichen Engagements in einer lebendigen Demokratie, die Grenzen politischer Neutralität und Möglichkeiten demokratischer Teilhabe zu diskutieren.
Drei Perspektiven auf die Rolle der Zivilgesellschaft
Dr. Jurgen Grotz, Direktor des Institute for Volunteering Research an der University of East Anglia, brachte Erkenntnisse aus der britischen Forschung zu Ehrenamt und gesellschaftlicher Teilhabe ein. Dabei ging es zunächst um grundlegende Fragen: Was macht Zivilgesellschaft aus, wer gehört dazu und welche Rolle kann sie für eine funktionierende Demokratie einnehmen?
Prof. Dr. Liudger Dienel von der TU Berlin, Gründer und Geschäftsführer des nexus Instituts, bereicherte die Diskussion mit seiner langjährigen Erfahrung in der Bürgerbeteiligung und Demokratieforschung. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf den Chancen zufallsbasierter Bürgerräte und der Frage, wie solche Beteiligungsformate demokratische Mitbestimmung stärken und unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven in politische Entscheidungsprozesse einbringen können.
Amei von Hülsen-Poensgen von den Interkulturanstalten Westend e. V. ergänzte die Diskussion um die Perspektive gelebter Zivilgesellschaft. Anhand ihres Engagements für die Ulme35, die Unterstützung geflüchteter Menschen und die Förderung ehrenamtlicher und nachbarschaftlicher Initiativen wurde deutlich, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt im Alltag entsteht und wie Menschen gemeinsam Veränderungen bewirken können.
Was Berlin und London voneinander lernen können
Unter der Moderation unseres Public Policy Advisors Dr. Robert Keeling trafen wissenschaftliche Erkenntnisse auf praktische Erfahrungen aus der Zivilgesellschaft.
Gemeinsam diskutierten die Gäste und Teilnehmenden, wie demokratische Teilhabe gestärkt werden kann, wo politisches Engagement an Grenzen stößt und welche Impulse Berlin und London füreinander bereithalten. Dabei wurde deutlich, wie wichtig eine aktive Zivilgesellschaft für demokratische Prozesse und gesellschaftlichen Zusammenhalt ist.
Das Gespräch geht weiter: Live-Podcast in Kürze
Die Veranstaltung wurde als zweite Live-Podcastfolge unserer Reihe Berlin × London im Dialog: Urban Voices on Democracy aufgezeichnet. Die Veröffentlichung folgt in Kürze.
Wir bedanken uns herzlich bei unseren Gästen für ihre wertvollen Perspektiven, bei allen Teilnehmenden für die Fragen und Beiträge sowie bei der Berliner Landeszentrale für politische Bildung für die Gastfreundschaft und die Möglichkeit zu diesem Austausch.
Let the dialogue never end.
